Die passende Felge ist ausgesucht, doch bei der Kennzeichnung steht nur eine Reihe aus Zahlen und Buchstaben. Die Einpresstiefe lässt sich meist direkt an der Felge ablesen, sitzt aber häufig auf der Rückseite und ist bei montiertem Rad schwer zu erkennen. Ich zeige, wo die ET zu finden ist, wie du eine Kennzeichnung richtig liest und warum wenige Millimeter über Freigängigkeit, Fahrverhalten und Zulässigkeit entscheiden können.
Die wichtigsten Angaben findest du meist auf der Felgeninnenseite
- ET-Kennzeichnung steht häufig als „ET35“, „ET 35“ oder „IS35“ auf der Rückseite.
- Typische Fundstellen sind das innere Felgenbett, die Rückseite einer Speiche und der Bereich um den Nabentopf.
- Eine kleinere ET lässt das Rad bei gleicher Felgenbreite weiter nach außen wandern.
- Die Zahl allein reicht nicht. Felgenbreite, Lochkreis, Traglast und Gutachten müssen ebenfalls passen.
- Bei fehlender Prägung helfen die Teilenummer, Herstellerunterlagen oder eine Messung am ausgebauten Rad.

Wo steht die Einpresstiefe auf der Felge?
Die Einpresstiefe steht bei den meisten Alu- und Stahlfelgen auf der Innenseite. Suche zuerst im inneren Felgenbett, auf der Rückseite einer Speiche oder rund um den Nabentopf, also dort, wo die Felge an der Radnabe anliegt. Bei Stahlfelgen befindet sich die Prägung oft in der Nähe der Radschraubenlöcher.
Typische Schreibweisen sind ET35, ET 35 oder eine Angabe wie „IS35“ beziehungsweise „Offset 35“. Die Zahl wird in Millimetern angegeben. „ET35“ bedeutet also eine Einpresstiefe von 35 Millimetern.
Ist das Rad noch am Fahrzeug montiert, bleibt die Markierung oft unsichtbar. Ich fotografiere die Rückseite dann gern mit dem Smartphone und aktiviere die Beleuchtung. Bei stark verschmutzten oder korrodierten Felgen hilft vorsichtiges Reinigen mit Wasser und einer weichen Bürste. Die Felge muss dafür nicht zerlegt werden.
Bitte verwechsle die ET nicht mit einer Teilenummer oder einer KBA-Nummer. Eine lange Zahlenfolge des Herstellers kann zwar zur Identifikation der Felge dienen, ist aber nicht automatisch die Einpresstiefe. Entscheidend ist eine Kennzeichnung mit ET, IS oder Offset und einer Millimeterzahl.
So liest du die komplette Felgenkennzeichnung
Die Einpresstiefe steht selten allein auf der Felge. Häufig findest du eine Kombination wie 7J x 16 H2 ET35. Jeder Teil beschreibt eine andere Eigenschaft und sollte bei der Auswahl berücksichtigt werden.
| Angabe | Bedeutung |
|---|---|
| 7 | Felgenbreite in Zoll |
| J | Form des Felgenhorns |
| 16 | Felgendurchmesser in Zoll |
| H2 | Ausführung der Humpkontur zur sicheren Reifenmontage |
| ET35 | Einpresstiefe von 35 Millimetern |
| 5x112 | Fünf Befestigungsbohrungen auf einem Lochkreis von 112 Millimetern |
Für die Montage am Fahrzeug zählen außerdem Lochkreis, Nabendurchmesser und Traglast. Eine Felge mit passender ET ist nicht automatisch geeignet, wenn beispielsweise der Lochkreis nicht stimmt oder die zulässige Radlast unterschritten wird.
Manchmal ist die Beschriftung durch Lack, Bremsstaub oder eine Radkappe verdeckt. Bei einer gebrauchten Felge lohnt es sich, nach mehreren Markierungen zu suchen. Hersteller bringen die Angaben nicht immer an derselben Stelle an, deshalb sollte die gesamte Rückseite kontrolliert werden.
Was tun, wenn keine ET angegeben ist?
Fehlt die Prägung vollständig, kannst du die Felge zunächst über Hersteller, Modell und Teilenummer identifizieren. Die ET steht dann oft im Felgenkatalog, in einer ABE oder im Teilegutachten. Bei Originalfelgen kann auch der Ersatzteilkatalog des Fahrzeugherstellers weiterhelfen.
Eine Messung ist möglich, aber nur am ausgebauten und unbelasteten Rad sinnvoll. Dazu brauchst du die tatsächliche Felgenbreite und das sogenannte Backspacing, also den Abstand von der Anlagefläche bis zur inneren Felgenkante. Vereinfacht gilt ET = Backspacing minus halbe Felgenbreite. Da die tatsächliche Breite von der Nennbreite abweichen kann, ist eine solche Messung eher eine Kontrolle als ein Ersatz für die Herstellerangabe.
Was die ET für die Position des Rades bedeutet
Die Einpresstiefe beschreibt den Abstand zwischen der Felgenmitte und der Anlagefläche an der Radnabe. Bei gleicher Felgenbreite gilt eine einfache Faustregel: Je kleiner die ET, desto weiter steht das Rad nach außen. Eine größere ET schiebt die Felge weiter nach innen in Richtung Fahrzeugmitte.
Der Unterschied wirkt sich auf beide Seiten der Felge aus. Wird die ET beispielsweise von 45 auf 35 reduziert, wandert das Rad bei gleicher Breite ungefähr 10 Millimeter nach außen. Gleichzeitig vergrößert sich der Abstand zur Fahrwerksseite um etwa 10 Millimeter.
Auch die Felgenbreite verändert die Position. Wechselst du von einer 7J-Felge mit ET45 auf eine 8J-Felge mit ET35, wächst die Breite nominal um 25,4 Millimeter. Durch die geringere ET wandert die Außenkante dabei ungefähr 22,7 Millimeter weiter nach außen, während die Innenkante rund 2,7 Millimeter weiter in Richtung Fahrwerk kommt. Das ist ein gutes Beispiel dafür, warum man ET und Breite immer gemeinsam betrachten muss.
Eine abweichende Einpresstiefe kann die Optik verbessern, aber auch Nachteile bringen. Mögliche Folgen sind Kontakt zum Kotflügel, zur Feder oder zum Bremssattel, eine veränderte Lenkgeometrie und höhere Belastungen für Radlager und Fahrwerk. Ob die Kombination funktioniert, hängt zusätzlich von Reifenbreite, Reifenflanke, Fahrwerkshöhe und Achskonstruktion ab.
Welche ET für dein Auto zulässig ist
Die passende Einpresstiefe ergibt sich nicht allein aus dem Durchmesser der Felge. Prüfe immer die konkrete Kombination aus Felgengröße, ET, Reifenmaß, Achslast und Fahrzeugtyp. Bei Zubehörfelgen findest du diese Angaben in der ABE, dem Teilegutachten oder einer ECE-Genehmigung.
Im Fahrzeugschein stehen nicht zwingend alle technisch möglichen Rad-Reifen-Kombinationen. Für eine Nachrüstung ist deshalb das Gutachten der exakten Felge entscheidend. Dort können Auflagen stehen, etwa eine Kontrolle der Freigängigkeit, bestimmte Reifengrößen oder die Forderung nach einer Abnahme.
Ich würde mich nicht auf eine pauschale Toleranz wie „ein paar Millimeter gehen immer“ verlassen. Es gibt keinen universellen ET-Spielraum, der für jedes Fahrzeug gilt. Schon eine kleine Änderung kann bei einem knapp ausgelegten Radhaus ausreichen, damit der Reifen bei voller Beladung oder beim Einfedern anliegt.
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Freigängigkeit selbst kontrollieren
Vor einer längeren Fahrt sollte das Rad bei eingeschlagener Lenkung und möglichst auch bei eingefederter Achse geprüft werden. Achte auf den Abstand zum Federbein, Bremssattel, Querlenker und zur Radhauskante. Der Reifen darf nirgendwo schleifen, auch nicht an der Innenseite bei voller Lenkbewegung.
Nach der Montage kontrolliere ich außerdem, ob die Radschrauben zur Felge passen und ob sie ausreichend Gewinde greifen. Kegelbund- und Kugelbundschrauben sind nicht beliebig austauschbar. Falsche Schrauben können trotz passendem Lochkreis eine unsichere Verbindung verursachen.
Diese Fehler passieren beim Ablesen besonders häufig
Der häufigste Irrtum ist, die sichtbare Größe der Felge mit ihrer Position im Radhaus gleichzusetzen. Eine 17-Zoll-Felge kann je nach Breite und ET ganz unterschiedlich weit nach außen oder innen stehen. Durchmesser allein sagt fast nichts über die Einpresstiefe aus.
- ET mit Lochkreis verwechselt – „5x112“ beschreibt nicht die Einpresstiefe, sondern Bohrungszahl und Lochkreis.
- Teilenummer für ET gehalten – die ET ist meist eine kurze Angabe mit ET, IS oder Offset.
- Nur die Vorderseite angesehen – die relevante Prägung sitzt oft vollständig auf der Rückseite.
- Felgenbreite ignoriert – eine breitere Felge kann trotz gleicher ET anders im Radhaus stehen.
- Vorder- und Hinterachse gleichgesetzt – bei Fahrzeugen mit Mischbereifung können unterschiedliche ET-Werte vorgesehen sein.
- Reifenfreigabe übersehen – nicht jede Reifenbreite ist für jede Felgenbreite zugelassen.
Bei älteren Fahrzeugen und klassischen Volkswagen finde ich zudem häufiger Felgen, deren Markierungen durch mehrere Lackschichten kaum lesbar sind. In solchen Fällen ist eine eindeutige Identifikation wichtiger als eine Schätzung. Eine falsch angenommene ET kann nicht nur zu Schleifgeräuschen führen, sondern auch die Eintragung und die Betriebssicherheit gefährden.
Die ET-Zahl ist nur der Anfang der Prüfung
Wenn du die Einpresstiefe suchst, beginne an der Felgeninnenseite und halte Ausschau nach „ET“, „IS“ oder „Offset“. Danach vergleichst du die gefundene Zahl mit Felgenbreite, Lochkreis, Nabendurchmesser, Traglast und dem passenden Gutachten für dein Fahrzeug.
Für eine schnelle Kaufentscheidung reichen oft ein Foto der kompletten Kennzeichnung und die Daten aus den Fahrzeugpapieren. Bei gebrauchten Rädern ohne lesbare Markierung würde ich dagegen lieber einmal messen oder die Felge eindeutig über den Hersteller identifizieren, bevor Reifen montiert oder die Räder am Auto ausprobiert werden.
So lässt sich die Frage, wo die Einpresstiefe der Felgen steht, zwar schnell beantworten, die sichere Auswahl beginnt aber erst mit dem Abgleich aller Maße. ET35 ist nicht grundsätzlich besser oder schlechter als ET45, sondern muss zur jeweiligen Felgenbreite, zur Achse und zur Freigabe des Fahrzeugs passen.