Beim Reifenwechsel reicht es nicht, nur auf die Größe zu achten. Der Lastindex zeigt, wie viel Gewicht ein einzelner Reifen tragen darf, während der Fahrzeugschein vor allem die zulässige Reifengröße und die Achslasten liefert. Ich zeige dir, wo du die Angaben findest, wie du den passenden Wert berechnest und warum ein scheinbar kleiner Unterschied bei der Tragfähigkeit sicherheitsrelevant sein kann.
Die wichtigsten Angaben auf einen Blick
- Der Lastindex steht meist als Zahl auf der Reifenflanke, zum Beispiel 91 in 205/55 R16 91V.
- Im aktuellen Fahrzeugschein findest du die Reifengrößen in Feld 15.1 und 15.2.
- Für die Mindesttragfähigkeit gilt grundsätzlich zulässige Achslast geteilt durch zwei.
- Ein Lastindex von 91 entspricht 615 kg Tragfähigkeit pro Reifen.
- Ein höherer Lastindex ist nicht automatisch für jede Kombination zulässig, weil auch Felge, Größe, Geschwindigkeitsindex und Freigabe passen müssen.
Wo der Lastindex im Fahrzeugschein zu finden ist
In der aktuellen Zulassungsbescheinigung Teil I, die umgangssprachlich weiterhin Fahrzeugschein heißt, steht die Bereifung in den Feldern 15.1 und 15.2. Feld 15.1 gehört zur ersten Achse, meist der Vorderachse, Feld 15.2 zur zweiten Achse. Bei Fahrzeugen mit mehr als zwei Achsen kann zusätzlich Feld 15.3 relevant sein.
Oft ist dort vor allem die Reifengröße eingetragen, etwa 205/55 R16. Die vollständige Kombination mit Last- und Geschwindigkeitsindex findest du je nach Fahrzeug zusätzlich im CoC-Dokument, in einer Betriebserlaubnis oder direkt auf der Reifenflanke. Genau deshalb würde ich mich beim Kauf nie allein auf die Zahl im Fahrzeugschein verlassen.
Bei älteren Fahrzeugpapieren stehen die Angaben häufig noch in den Feldern 20 bis 23. Auch dort kann eine vollständige Bezeichnung wie 195/65 R15 91H auftauchen. Für die zulässige Belastung sind außerdem die Achslasten in den Feldern 7.1 und 7.2 wichtig.
So liest du die Reifenbezeichnung richtig
Ein Reifen mit der Kennzeichnung 205/55 R16 91V enthält mehrere Informationen. 205 steht für die Reifenbreite in Millimetern, 55 für das Verhältnis von Höhe zu Breite, R für die Radialbauweise und 16 für den Felgendurchmesser in Zoll.
Die Zahl 91 ist der Lastindex. Der Buchstabe V bezeichnet dagegen den Geschwindigkeitsindex und steht für eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von bis zu 240 km/h unter den vorgesehenen Bedingungen. Lastindex und Geschwindigkeitsindex dürfen nicht miteinander verwechselt werden.
| Lastindex | Maximale Tragfähigkeit pro Reifen | Typisches Beispiel |
|---|---|---|
| 88 | 560 kg | Kompaktwagen |
| 91 | 615 kg | Viele Fahrzeuge der Kompaktklasse |
| 94 | 670 kg | Mittelklassemodelle |
| 97 | 730 kg | Schwerere Limousinen und SUVs |
| 100 | 800 kg | Größere SUVs und Vans |
| 104 | 900 kg | Transporter und leichte Nutzfahrzeuge |
Die Angaben gelten als standardisierte Höchstwerte unter festgelegten Bedingungen. In der Praxis beeinflussen Reifendruck, Geschwindigkeit und Reifentyp die tatsächlich nutzbare Tragfähigkeit. Bei Reifen mit zwei Lastindexwerten, etwa 109/107, gilt der erste Wert meist für Einzelbereifung und der zweite für Zwillingsbereifung.
Welcher Lastindex für dein Fahrzeug ausreicht
Für eine erste Prüfung teilst du die zulässige Achslast durch zwei. Beträgt die maximale Vorderachslast beispielsweise 1.230 kg, muss jeder Reifen dieser Achse mindestens 615 kg tragen können. Dafür reicht Lastindex 91, denn dieser steht für 615 kg pro Reifen.
Bei einer Achslast von 1.360 kg ergibt sich eine erforderliche Tragfähigkeit von 680 kg pro Reifen. Lastindex 94 mit 670 kg wäre dann zu niedrig, während Lastindex 95 mit 690 kg die rechnerische Mindestanforderung erfüllt.
| Zulässige Achslast | Erforderliche Tragfähigkeit pro Reifen | Mindestens passender Lastindex |
|---|---|---|
| 1.000 kg | 500 kg | LI 85 mit 515 kg |
| 1.230 kg | 615 kg | LI 91 mit 615 kg |
| 1.360 kg | 680 kg | LI 95 mit 690 kg |
| 1.500 kg | 750 kg | LI 98 mit 750 kg |
| 1.700 kg | 850 kg | LI 102 mit 850 kg |
Ich rechne immer mit der höheren Achslastanforderung, wenn Vorder- und Hinterachse unterschiedliche Werte haben. Trotzdem ist das nur die Tragfähigkeitsprüfung. Die gewählte Reifengröße, der Geschwindigkeitsindex, die Felgenbreite und mögliche Auflagen aus CoC oder ABE müssen ebenfalls übereinstimmen.
Was bei einem höheren oder niedrigeren Lastindex gilt
Ein niedrigerer Lastindex als vorgeschrieben ist keine harmlose Abweichung. Auch wenn das Auto im Alltag selten voll beladen wird, muss die Bereifung die zulässige Fahrzeugbelastung abdecken. Einen Reifen mit LI 94 statt der erforderlichen LI 95 würde ich deshalb nicht montieren.
Ein höherer Lastindex kann technisch möglich sein, bringt aber nicht automatisch eine freie Auswahl. Ein Reifen mit LI 95 kann innerhalb derselben Dimension zulässig sein, wenn die Fahrzeugfreigabe das erlaubt. Entscheidend ist die komplette Kombination aus Reifengröße, Felge, Bauart und Genehmigungsunterlagen.
XL- oder Reinforced-Reifen haben eine verstärkte Konstruktion und tragen häufig mehr Last. Die Bezeichnung XL ersetzt den Lastindex aber nicht. Ein XL-Reifen muss trotzdem den passenden konkreten LI-Wert tragen und für das Fahrzeug freigegeben sein.
Auch der Geschwindigkeitsindex verdient einen kurzen Blick. Bei Sommerreifen muss er zur Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs passen. Bei Winterreifen mit Alpine-Symbol sind unter bestimmten Voraussetzungen niedrigere Geschwindigkeitsindizes möglich, dann muss die zulässige Höchstgeschwindigkeit im Sichtfeld des Fahrers angegeben werden. Diese Ausnahme betrifft nicht den Lastindex.
Die typischen Fehler beim Ablesen und Reifenkauf
Der häufigste Fehler ist, nur die Größe zu vergleichen. Zwei Reifen mit 205/55 R16 können unterschiedliche Lastindizes haben, etwa 91V und 94V. Die Abmessungen sind gleich, die zulässige Belastung ist es nicht.
- Die Zahl vor dem Geschwindigkeitsbuchstaben wird übersehen.
- Der Lastindex wird mit der zulässigen Gesamtmasse des Fahrzeugs verwechselt.
- Die Achslast wird nicht auf zwei Reifen umgerechnet.
- Ein höherer LI-Wert wird ohne Prüfung von CoC, ABE oder Herstellerfreigabe montiert.
- Der Reifendruck wird nach der Montage nicht an die Beladung angepasst.
- Bei Transporterreifen werden die Werte für Einzel- und Zwillingsbereifung verwechselt.
Besonders bei gebrauchten Felgen oder einer Umrüstung auf größere Räder sehe ich oft, dass nur die Optik geprüft wird. Ich würde zuerst die technische Freigängigkeit und Tragfähigkeit klären und erst danach über Design, Reifenmarke oder Komfort entscheiden.
Wenn der Eintrag im Fahrzeugschein nicht eindeutig ist, helfen das CoC-Dokument, die vorhandene Betriebserlaubnis oder eine Nachfrage beim Reifenfachbetrieb. Eine kurze Prüfung vor dem Kauf ist deutlich günstiger als ein Satz Reifen, der später nicht verwendet werden darf.
Die richtige Prüfung vor der Bestellung
Ich gehe beim Reifenkauf in dieser Reihenfolge vor. Zuerst notiere ich die zulässigen Reifengrößen aus Feld 15.1 und 15.2 sowie die maximalen Achslasten aus den Feldern 7.1 und 7.2. Danach vergleiche ich den Lastindex mit der notwendigen Tragfähigkeit pro Reifen.
- Reifengröße und Achse im Fahrzeugschein oder CoC prüfen.
- Achslast durch zwei teilen.
- Passenden oder höheren Lastindex aus der Tabelle ablesen.
- Geschwindigkeitsindex und Bauart kontrollieren.
- Felgenfreigabe, ABE oder zusätzliche Auflagen prüfen.
- Nach der Montage den vorgeschriebenen Reifendruck einstellen.
Ein Beispiel macht die Entscheidung greifbar. Steht für die Hinterachse eine maximale Achslast von 1.420 kg im Dokument, braucht jeder Reifen mindestens 710 kg Tragfähigkeit. LI 96 mit 710 kg wäre rechnerisch passend, LI 97 mit 730 kg bietet etwas Reserve, sofern diese Kombination für das Fahrzeug freigegeben ist.
Eine große Reserve ist nicht immer automatisch besser. Reifen mit höherem Lastindex können steifer abrollen und den Komfort verändern. Für mich zählt deshalb nicht der möglichst hohe Wert, sondern der korrekt freigegebene Wert mit ausreichender Tragfähigkeit.
Damit die Zahl im Fahrzeugschein nicht zur Fehlentscheidung wird
Der Lastindex ist eine kleine Zahl mit großer Bedeutung. Lies ihn auf der Reifenflanke ab, gleiche ihn mit der erforderlichen Achslast ab und prüfe zusätzlich alle Angaben zur Felge und Fahrzeugfreigabe.
Wer diese drei Ebenen zusammen betrachtet, vermeidet die typischen Fehlkäufe. Die passende Bereifung ist nicht einfach die mit der richtigen Breite, sondern die Kombination, die Tragfähigkeit, Geschwindigkeit, Größe und Zulassung zuverlässig zusammenbringt.