Nach einem Reifenwechsel sitzt die Unsicherheit oft erst nach der ersten Fahrt im Nacken: Sind die Radschrauben wirklich fest genug, und wann müssen sie kontrolliert werden? Beim Nachziehen von Radmuttern und Radschrauben kommt es nicht auf rohe Kraft an, sondern auf das richtige Drehmoment, eine saubere Auflagefläche und die passende Reihenfolge. Hier zeige ich, wann die Kontrolle sinnvoll ist, welches Werkzeug dazugehört und welche Fehler an Stahl- und Alufelgen besonders häufig vorkommen.
Die wichtigsten Regeln für eine sichere Radbefestigung
- Nach 50 bis 100 Kilometern sollte die Verschraubung nach einem Radwechsel kontrolliert werden, sofern der Fahrzeughersteller nichts anderes vorgibt.
- Entscheidend ist das vorgeschriebene Drehmoment aus Betriebsanleitung, Werkstattunterlagen oder Felgengutachten.
- Zum Nachziehen gehört ein kalibrierter Drehmomentschlüssel, kein Fußtritt auf dem Radkreuz.
- Die Schrauben werden über Kreuz und mit sauberer, trockener Auflagefläche geprüft.
- Vibrationen, Knackgeräusche oder ein instabiles Fahrgefühl verlangen eine sofortige Kontrolle.

Warum sich die Kontrolle nach dem Reifenwechsel lohnt
Eine korrekt montierte Radbefestigung muss grundsätzlich sicher halten. Der ADAC weist darauf hin, dass sich ein fachgerecht montiertes Rad nicht einfach lösen sollte, wenn passende Befestigungsteile und das richtige Anzugsdrehmoment verwendet wurden. Die zusätzliche Kontrolle nach einer kurzen Fahrstrecke ist trotzdem eine sinnvolle Sicherheitsroutine.
Nach der Montage können sich Kontaktflächen zwischen Nabe, Bremsscheibe und Felge noch geringfügig setzen. Auch Rostpartikel, Schmutz oder eine nicht vollständig anliegende Felge können dazu führen, dass die Vorspannung der Schraubverbindung nicht überall gleich ist. Das bedeutet nicht, dass sich jede Schraube zwangsläufig lockert, sondern dass eine Kontrolle mit wenig Aufwand ein großes Risiko ausschließt.
Die verbreitete Empfehlung liegt meist bei 50 bis 100 Kilometern. Einige Fahrzeug- und Felgenhersteller nennen andere Werte, zum Beispiel 50 oder 100 Meilen beziehungsweise eine bestimmte Zeitspanne. Die Angabe auf der Rechnung der Werkstatt ersetzt nicht die technischen Vorgaben des Fahrzeugherstellers, sie sollte aber ernst genommen werden.
Das richtige Drehmoment entscheidet
Das Anzugsdrehmoment wird in Newtonmetern, kurz Nm, angegeben. Es beschreibt nicht einfach, wie fest eine Schraube wirkt, sondern wie viel Drehkraft beim Anziehen aufgebracht wird. Bei vielen Pkw liegen die Werte ungefähr zwischen 110 und 140 Nm, doch dieser Bereich ist nur eine grobe Orientierung.
Ein kleiner Kleinwagen mit Stahlfelgen kann einen deutlich anderen Wert benötigen als ein schweres SUV mit großen Leichtmetallrädern. Auch Felgenform, Schraubensitz, Gewinde und verwendete Distanzscheiben spielen eine Rolle. Ich würde deshalb niemals eine allgemeine Tabelle über die Herstellerangabe für das konkrete Fahrzeug stellen.
| Quelle | Wofür sie maßgeblich ist |
|---|---|
| Betriebsanleitung | Vorgabe für Fahrzeug, Radschrauben und Serienräder |
| Gutachten oder ABE der Zubehörfelge | Zusätzliche Vorgaben bei nicht serienmäßigen Felgen |
| Werkstattunterlagen | Konkrete Montagehinweise nach einem Reifen- oder Radwechsel |
| Aufdruck oder Herstellerangabe von Distanzscheiben | Besondere Werte und Bedingungen für die zusätzliche Bauteilkombination |
Zu wenig Drehmoment kann eine lose Verbindung begünstigen. Zu viel Drehmoment ist aber ebenfalls problematisch, weil sich Radschrauben, Gewinde, Bremsscheiben oder Felgen beschädigen können. Gerade bei Aluminiumfelgen ist „so fest wie möglich“ kein Zeichen von Sicherheit, sondern ein typischer Montagefehler.
So werden Radmuttern und Radschrauben richtig geprüft
1. Fahrzeug sicher abstellen
Das Fahrzeug steht auf einer ebenen, festen Fläche mit eingelegtem Gang beziehungsweise aktivierter Parkstellung und angezogener Parkbremse. Für eine reine Drehmomentkontrolle muss das Rad normalerweise nicht abgenommen werden. Ich prüfe die Befestigung am liebsten mit dem Fahrzeug auf dem Boden, weil sich das Rad dabei nicht mitdreht.
2. Vorgabe und Werkzeug vorbereiten
Benötigt werden ein passender Drehmomentschlüssel und eine zur Radschraube passende Stecknuss. Die Nuss sollte sauber und unbeschädigt sein, damit die meist relativ flachen Schraubenköpfe nicht ausrunden. Ein billiger Schlüssel ohne nachvollziehbare Genauigkeit ist für gelegentliche Arbeiten besser als gar kein Werkzeug, ersetzt aber keine regelmäßige Prüfung oder Kalibrierung.
3. Auflageflächen kontrollieren
Vor dem Anziehen müssen Felge und Radnabe sauber aneinanderliegen. Rost, lose Lackreste, Sand oder Schmutz zwischen den Flächen können die Klemmkraft verfälschen. Die Gewinde werden in der Regel trocken und fettfrei montiert, sofern der Fahrzeug- oder Felgenhersteller ausdrücklich nichts anderes vorgibt.
4. Über Kreuz arbeiten
Bei vier Befestigungspunkten geht es diagonal von einer Schraube zur gegenüberliegenden. Bei fünf Schrauben folgt die Reihenfolge einem Sternmuster. Dadurch legt sich die Felge gleichmäßig an die Nabe, statt sich auf einer Seite schief zu verspannen.
Der Drehmomentschlüssel wird auf den vorgeschriebenen Wert eingestellt. Jede Schraube wird kontrolliert, bis der Schlüssel auslöst oder das eingestellte Signal gibt. Danach sollte man nicht weiterziehen, denn jeder zusätzliche Ruck erhöht das Drehmoment und macht die Messung ungenau.
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Was tun, wenn sich eine Schraube bewegt?
Bewegt sich eine Schraube bereits deutlich vor dem eingestellten Wert, war die Vorspannung wahrscheinlich zu niedrig oder die Verbindung hat sich gesetzt. Sie wird in der korrekten Reihenfolge auf den Sollwert gebracht, danach kontrolliere ich alle übrigen Schrauben noch einmal.
Eine Schraube, die sich endlos dreht, schief sitzt oder sich nicht auf das vorgeschriebene Drehmoment bringen lässt, ist kein Fall für weitere Kraft. Dann können Gewinde, Schraube, Mutter oder Nabe beschädigt sein. Fahrzeug stehen lassen und die Ursache fachgerecht prüfen lassen.
Welche Fehler beim Nachziehen besonders häufig sind
Der häufigste Fehler ist der Einsatz eines Schlagschraubers zum finalen Anziehen. Ein Schlagschrauber eignet sich zum Lösen oder für das vorsichtige Voranziehen, aber das letzte Anziehen sollte mit einem Drehmomentschlüssel erfolgen. Der TÜV SÜD betont ebenfalls, dass das Nachziehen nur dann sinnvoll ist, wenn der korrekte Drehmomentwert tatsächlich kontrolliert wird.
- Verlängerungsrohr oder Fußkraft: Die zusätzliche Hebelwirkung kann Schrauben und Gewinde überlasten.
- Falscher Drehmomentwert: Werte von einem anderen Fahrzeug oder einer anderen Felge sind nicht automatisch übertragbar.
- Gefettete Gewinde: Schmierstoff verändert die Reibung und kann bei gleichem Einstellwert eine deutlich höhere Klemmkraft erzeugen.
- Nur eine Schraube geprüft: Jede Befestigung muss kontrolliert werden, nicht nur die auffällige oder leicht erreichbare.
- Falscher Schraubensitz: Kugelbund und Kegelbund dürfen nicht verwechselt werden.
- Aufgebocktes Fahrzeug: Das Rad kann sich drehen oder kippen, wenn die Kontrolle ohne sicheren Stand erfolgt.
Nach der Arbeit wird ein Klick-Drehmomentschlüssel auf die niedrigste Skala zurückgestellt, wenn der Hersteller das so vorsieht. Das entlastet die Mechanik und hilft, die Genauigkeit langfristig zu erhalten. Ein kleines Detail, das viele vergessen, obwohl es die Lebensdauer des Werkzeugs verbessert.
Wann eine Werkstatt die bessere Lösung ist
Wer keinen passenden Drehmomentschlüssel besitzt, sollte die Kontrolle nicht durch kräftiges Anziehen nach Gefühl ersetzen. Viele Reifenbetriebe prüfen die Räder kurzfristig und mit geeignetem Werkzeug. Der Preis ist je nach Betrieb oft gering oder nach einem Reifenwechsel bereits im Service enthalten.
Professionelle Hilfe ist besonders sinnvoll bei neuen Zubehörfelgen, Distanzscheiben, beschädigten Gewinden oder unklaren Schrauben. Auch bei historischen Fahrzeugen lohnt sich Vorsicht, weil dort teilweise andere Radmuttern, Konusformen oder ungewöhnliche Drehmomentwerte verwendet werden.
Nach dem Wechsel sollte man außerdem auf das Fahrverhalten achten. Ein Zittern im Lenkrad, mahlende Geräusche, Schlagen aus dem Radbereich oder ein plötzlich verändertes Spurgefühl sind keine normalen Begleiterscheinungen. Dann langsam anhalten, die Fahrt nicht einfach fortsetzen und die Radbefestigung prüfen lassen.
Mein kurzer Sicherheitscheck nach jedem Radwechsel
Ich verlasse mich nicht auf eine einzelne Maßnahme, sondern arbeite immer dieselbe Reihenfolge ab: Herstellervorgabe prüfen, Auflageflächen ansehen, Schrauben zunächst handfest einsetzen, über Kreuz anziehen und das Enddrehmoment mit dem passenden Werkzeug kontrollieren. Danach notiere ich mir den Kilometerstand für die Kontrolle nach 50 bis 100 Kilometern.
Damit ist das Thema in wenigen Minuten erledigt. Entscheidend ist nicht, ob eine Schraube besonders schwer zu drehen ist, sondern ob die Verbindung mit dem richtigen Wert gleichmäßig und sauber hergestellt wurde. Genau das schützt Felge, Nabe, Gewinde und vor allem die Sicherheit während der Fahrt.